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Gepäckbeförderungsanlage unter dem Flughafen Frankfurt, © dpa

Gepäck am laufenden Band

In der Gepäckförderanlage des Frankfurter Flughafens werden zur Hauptreisezeit täglich bis zu 144.000 Gepäckstücke bewegt. Zwischen Abfertigungsschalter und Flugzeug legen die Koffer dabei rund 74 Kilometer zurück.

Wenn andere Menschen auf Dienstreise gehen oder in Urlaub fliegen, herrscht bei Elena Elkhanova Hochbetrieb. Sie ist mitverantwortlich dafür, dass die Koffer der Passagiere im Frankfurter Luftdrehkreuz rechtzeitig in der richtigen Maschine landen. Die Fäden laufen im Gepäckkontrollzentrum des Flughafens zusammen. Der Saal im «kleinen Cape Canaveral» wird von einer wandfüllenden Kontrolltafel beherrscht. Dort verfolgen Elkhanova und ihre Kollegen die kilometerlange Reise der Koffer durch den größten deutschen Flughafen, der in Europa nach London und Paris auf Rang drei steht.

Die Tour startet an den mehr als 500 Abflugschaltern. Wie der Passagier «bekommt der Koffer eine Art Bordkarte», erläutert die Mitarbeiterin Bodenverkehrsdienste des Airport-Betreibers Fraport. Der Strichcode auf der weißen Banderole verzeichnet Daten wie Gewicht, Ziel, Flugnummer, Umsteigemöglichkeit und Passagiernamen. Laserkameras scannen den Code, dann verschwindet der Koffer hinter dem Schalter in die Gepäckförderanlage (GFA).

In einer Plastikwanne sausen Koffer, Taschen und Rucksäcke dem Ziel entgegen. «Geliefert wird direkt an die Maschine. Es gibt an jedem Gate einen eigenen Gepäckraum», sagt Elkhanova. Bagage vom Vorabend-Check-in landet einem separaten Lager, wo sie bis kurz vor dem Abflug Runden dreht. In der Gepäcklogistik läuft fast alles automatisch ab. Hand legen die rund 4.500 Lademitarbeiter zum Beispiel noch beim Be- und Entladen der kleinen Gepäckzüge an, die Hab und Gut zu Ferienfliegern auf dem Vorfeld bringen.

Die Bänder der GFA schlängeln sich fast 74 Kilometer durch Keller und Zwischendecken der Terminals. Die Transportbänder sind gespickt mit Lesegeräten. Sie identifizieren die Wannen anhand spezieller Kennzeichnungen. «Wir wissen zu jeder Zeit, an welcher Position sich das Gepäck im System befindet», ist die für Infrastruktur zuständige Helen Sanzenbacher überzeugt. Mit Hilfe von Behälternummer und Gepäckcode lenken Computer die Koffer Richtung Mallorca, New York oder Singapur.

Gepäckverlust
Die Methode funktioniert nicht immer: Weltweit seien 2008 fast 33 Millionen Gepäckstücke verloren gegangen, an die 736.000 blieben ganz auf der Strecke, heißt es in einem Report des von der Luftfahrtindustrie getragenen Dienstleisters SITA. Das Unternehmen mit Ableger im hessischen Eschborn betreibt nach eigenen Angaben ein internationales Erfassungs- und Suchsystem, an das 400 Airlines und Dienstleister angeschlossen sind.

Es gibt eine ganze Palette an Ursachen dafür, dass nicht jeder Koffer zusammen mit seinem Besitzer am Zielort landet: Alte Banderolen und Aufkleber können die Scanner verwirren, Umbuchungen, Zollkontrollen, Fehler beim Verladen und Abfertigen. Fehlende Namensschilder erschweren zusätzlich die Recherche nach den Eigentümern vermisster Stücke. Außerdem setzen die Airlines unterschiedliche Suchsysteme ein.

Für die Fluggäste sind verlorene oder beschädigte Koffer neben Verspätungen das größte Ärgernis. Die Zahlung von bis zu 1.200 Euro soll dafür entschädigen. Fraport sieht selten Grund zu Beschwerden: Statistisch gerieten nur zwei Promille der beförderten Taschen und Koffer auf Abwege - an Spitzentagen rasen an die 144.000 Exemplare mit bis zu fünf Metern pro Sekunde und unter ohrenbetäubendem Lärm durch die GFA.

Sicherheitsprüfungen
Sie passieren mehrstufige Sicherheitskontrollen. Sekundenschnell durchleuchten Röntgengeräte den Inhalt. Verdächtiges wird per Hand geöffnet. Laut Sanzenbacher fallen Rasierschaum und Gaskartuschen auf, ebenso mit Socken ausgestopfte Teekannen. Dass die Kontrolle den Passagieren verborgen bleibt, hat einen praktischen Grund: «Die Warteschlangen an den Schaltern wären sonst zu lang.» Eine halbe Stunde vor Abflug macht die Abfertigung dicht, damit das Gepäck trotz Überprüfung rechtzeitig an Bord kommen kann.

In die Maschine gelange ausschließlich Gepäck von Passagieren, die das Boarding direkt am Flugsteig passiert hätten, betont Elena Elkhanova. Eine Kennung auf der Bordkarte gebe grünes Licht. Ansonsten «schaltet das System auf Rot, und der Koffer bleibt am Boden.» Bei der Ankunft gibt es Prioritäten: Zuerst werden die Koffer der Umsteiger ausgeladen, dann die der Ersten Klasse, zum Schluss kommt die Touristen-Holzklasse dran.

Am Ende der Reise zieht mancher Koffer allein Kreise auf dem Gepäckband. Niemand holt ihn ab. Findet sich nach drei Monaten kein Besitzer, kommen die Restposten unter den Hammer. Für Schnäppchenjäger eine Möglichkeit, günstig Strandliegen und Schwimmbretter zu ergattern.

Text: Monika Hillemacher, dpa (airliners.de)

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